Wenn du eine Motom hast und auf der Suche nach dem richtigen Öl bist, mach dich auf ein paar Überraschungen gefasst. Es ist nicht so einfach, wie im Handbuch nachzuschlagen und das zu kaufen, was dort steht – die Welt hat sich seit 1947 verändert, und das Öl auch. Fangen wir ganz von vorne an.
Synthetisch oder mineralisch?
Erste grundlegende Frage: Synthetisch oder mineralisch?
Synthetische Öle bieten zahlreiche Vorteile: höhere thermische Stabilität, bessere Verschleißfestigkeit, geringere Reibung, weniger Ablagerungen, seltenere Ölwechsel und besseres Kaltstartverhalten.
Es gibt nur ein einziges, aber wichtiges Problem: Synthetiköl wirkt reinigend. Wenn der Zentrifugalfilter* der Pleuelstange mit Schlamm verstopft ist – was bei Motorrädern, die seit Jahren stillstehen, häufig der Fall ist –, löst das Synthetiköl diesen auf und befördert ihn in die Gleitlager. Die Folge: Gefahr eines Pleuelbruchs.
Synthetische Öle sind zudem „stabiler“: Ihre Viskosität schwankt bei Temperaturänderungen weniger stark als bei Mineralölen. Ein wichtiger Vorteil, der jedoch im Kontext betrachtet werden muss.
Goldene Regel: Wenn du gerade erst eine Motom gekauft hast und nicht weißt, was im Motor steckt, verwende Mineralöl. Wenn du hingegen den Motor geöffnet, alles gereinigt hast und weißt, womit du es zu tun hast, ist Synthetiköl die beste Wahl.
Einbereichs- oder Mehrbereichsöl?
Im Motom-Handbuch wird SAE 30 empfohlen, bei sehr hohen Temperaturen SAE 40. Einbereichsöl, Punkt.
Warum Einbereichsöl? Ganz einfach: Damals gab es noch keine Mehrbereichsöle. Das ist keine ausgeklügelte technische Entscheidung – sondern lediglich eine historische Begrenzung.
Heutzutage ist es sinnvoller, ein Mehrbereichsöl zu verwenden, vor allem, wenn du die Motom sowohl im Sommer als auch im Winter fährst. Ein Mehrbereichsöl passt sich besser an Temperaturschwankungen an und sorgt für eine bessere Fließfähigkeit beim Kaltstart.
Welches Mehrbereichsöl soll man verwenden – Vorsicht vor dem Auswaschen
Achtung: Mehrbereichsöle sind im warmen Zustand in der Regel dünnflüssiger als Einbereichsöle derselben Viskositätsklasse. Ein 10W-30 ist im warmen Zustand dünnflüssiger als ein SAE 30 Einbereichsöl.
Das bedeutet, dass im Sommer bei hohen Temperaturen – beispielsweise bei steilen Anstiegen oder im zähfließenden Verkehr – ein zu dünnflüssiges Öl von den Oberflächen „abgespült“ werden kann. Der Schmierfilm wird dünner, und es besteht die Gefahr eines Festfressens. Es ist kein Zufall, dass Motom bei hohen Temperaturen die Viskosität 40 anstelle von 30 empfahl.
Daher ist ein 15W-40 oder 10W-40 eine ausgewogene Wahl für den ganzjährigen Einsatz – bei Kälte ausreichend dünnflüssig, bei Hitze ausreichend viskos. Schau immer im technischen Datenblatt nach: Die Bandbreite kann sehr groß sein.
Ein luftgekühlter Motor reagiert im Vergleich zu einem flüssigkeitsgekühlten Motor besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen. Der Schmierfilm ist einem höheren Auswaschungsrisiko ausgesetzt, weshalb die Wahl des richtigen Öls umso wichtiger ist.
Und welches Öl soll ich verwenden?
Ich persönlich verwende ein 5W-30 – aber mein Motom weist bestimmte Eigenschaften auf, die diese Wahl für mich zur richtigen machen.
Mit einem Öltemperatursensor habe ich gemessen, dass das 5W-30 im Sommer eine um etwa 5 °C niedrigere Temperatur aufweist als das 10W-30. So wie ich die Motom nutze – für lange Fahrten – ist eine gute Schmiermittelzufuhr wichtig, und die Kolbenpumpe fördert ein Öl mit geringer Viskosität leichter.
Allerdings verfügt mein Motor über ein Zwangskühlsystem, das für einen besseren Wärmeausgleich sorgt als bei einem Standardmodell. Für eine Standard-Motom ist vor allem bei Einsatz im Sommer und in den Bergen wahrscheinlich ein 15W-40- oder 10W-40-Öl die vernünftigste Wahl.
Jedes Motom ist anders
Die Schmierkreisläufe unterscheiden sich von Modell zu Modell, daher variieren auch die Anforderungen:
- Modelle mit kleiner Kolbenpumpe
- Modelle mit großer Kolbenpumpe
- Der Antriebsnocken kann einfach oder doppelt (zweistufig) sein
- Für die Glücklichen: Zahnradpumpe
Jeder Motor ist anders, und das sollte bei der Wahl des Öls berücksichtigt werden. Die Welt ist schön, weil sie so vielfältig ist!
Die letzte Frage
Manche werden Ihnen raten, SAE 30 zu verwenden, wie es im Motom-Handbuch angegeben ist. Das ist eine berechtigte Entscheidung. Aber es lohnt sich, sich folgende Frage zu stellen:
Welches Öl hätte Motom heute, im Jahr 2024, für seinen kleinen Viertaktmotor gewählt?
Die Antwort wäre wahrscheinlich nicht SAE 30. Auch das macht den Motorradsport aus: die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Ach, das hätte ich fast vergessen: Motom empfahl Mobil-Öl!
*Bevor du dich für ein Öl entscheidest, lies auch unseren Leitfaden zum Überholen der Kurbelwelle der Motom – dann wirst du verstehen, warum die Wahl des Öls noch wichtiger ist, als du denkst.
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